Omø – Korsør – Kolby Kås

Am nächsten Morgen verließen wir Omø (zumindest ich mit dem festen Vorsatz, irgendwann nochmal für länger herzukommen). Diesmal hatten wir von Anfang an kaum Wind, was uns reichlich Gelegenheit gab, Volkers für 4,50 € erworbene Angel zum Einsatz zu bringen. Gefangen haben wir allerdings nichts. Nach einer Weile, noch in Sichtweite von Omø, tauchte hinter uns ein Seehundkopf aus dem Wasser auf und schaute neugierig zu uns herüber. Wir beschlossen, ihm eine Gelegenheit zum Spielen zu geben und ließen einen Fender an einer Leine ins Wasser. Das ließ den Seehund ziemlich kalt, lockte aber einen Schweinswal an, der den Fender neugierig näher betrachtete und uns eine ganze Weile folgte.

Der zutraulichste Schweinswal...wahrscheinlich hatte er sich spontan in unsren Fender verliebt.

Schweinswale, auch kleine Tümmler genannt, sind die einzige in der Ostsee heimische Walart. Die Bezeichnung „Wal“ ist dabei vielleicht etwas irreführend, Schweinswale sehen eher aus wie Delphine (die ja auch Wale sind). In der Ostsee gelten sie als vom Aussterben bedroht, es gibt geschätzt noch so ca. 600 von ihnen. Wie korrekt diese Zahl ist, kann ich natürlich nicht sagen. Tatsache ist, dass wir auf unserem Törn im Laufe der Zeit ziemlich viele Schweinswale gesehen haben, die meisten davon im großen Belt, aber auch noch weiter südlich und näher am Festland. Wir haben unser privates „Whale watching“ jedenfalls sehr genossen.

So durch Seehunde und Schweinswale abgelenkt, bemerkten wir kaum, wie dicht der Nebel inzwischen geworden war, der um uns herum aufgezogen war. Als schließlich die große Beltbrücke in Sicht kam, kam sie sozusagen gar nicht in Sicht, zumindest nicht komplett.

Da das Fahrwasser unter der Brücke ziemlich stark frequentiert ist, und die großen Frachtschiffe, die da so hin und wieder im Nebel neben uns auftauchten, doch etwas bedrohliches hatten, beschlossen wir, mit der Unterquerung der Brücke noch ein wenig zu warten und liefen statt dessen den Hafen von Korsør an. Dort machten wir fest und gingen in die Stadt, Mittagessen. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns für eine Kebab-Bude.

Als wir wieder zum Hafen zurückkamen, machte dort gerade die Marie fest. Die Besatzung hatte in Anbetracht des Nebels ebenfalls auf eine Durchfahrt unter der Brücke verzichtet.

Wir wollten aber in Korsør nicht bleiben, zum einen fanden wir es noch zu früh am Tag, um endgültig festzumachen, zum anderen hatten wir inzwischen beschlossen, dass unser Törn uns einmal rund um die Insel Fünen führen sollte und das bedeutete einen gewissen Zeitdruck. Wir möppelten also trotz Nebels los und unter der Brücke hindurch. Das ging auch eigentlich sehr gut, da wir uns aus dem Hauptfahrwasser größtenteils heraus halten konnten. Von der Brücke war aber weiterhin immer nur ein Teil zu sehen. Sah irgendwie unheimlich aus, so eine Brücke aus dem Nichts ins Nirgendwo.

Relativ spät, schon bei Dunkelheit, erreichten wir den Hafen Kolby Kås auf der Insel Samsø. Im Hafenhandbuch war vermerkt, dass man dort bei Nordwestwind mit starkem Schwell rechnen muss. Da wir aber wenn überhaupt immer nur Wind von Ost bis Südost gehabt hatten, hatten wir uns darüber recht wenig Gedanken gemacht.

Im Hafen von Kolby Kas macht sich unsere 12 m Yacht aus wie ein mächtiges Schiff

Natürlich hatten wir abends Nordwestwind. Und nicht mal wenig. Als eindeutig größtes Schiff im Hafen (von der örtlichen Fähre natürlich abgesehen), hatten wir quer am Steg festgemacht, weil unsere 12,40 m anders gar nicht unterzubringen gewesen wären. Damit standen wir genau quer zur Hauptschwappwasserrichtung, was sich durch kräftiges Geschaukel bemerkbar machte. Im Laufe der Nacht ließ der Nordwestwind aber wohl auch wieder nach. Geschlafen habe ich jedenfalls ganz gut, und der Steg stand am nächsten Morgen auch noch.