Kolby Kås – Juelsminden

Eigentlich wollten wir an diesem Tag bis nach Middelfart im Nordwesten Fünens kommen. Das Wetter wollte es aber wohl anders.

Zunächst war alles wieder prima. Wenig Wind, aber dafür Sonnenschein soviel man haben wollte. Wir veranstalteten daraufhin ein bombastischen Mittagessen an Deck, unser Skippje hatte mal wieder für uns gekocht und gebraten.

Peer versuchte sich wieder im Angeln, diesmal sogar fast erfolgreich, zumindest wurde ich aus meiner Lektüre (ich hatte mich zum Lesen vorne an den Mast gesetzt) aufgeschreckt durch ein lautes: „Ich hab einen, ich hab einen!“ Und tatsächlich, da konnte man sogar kurz was an der Wasseroberfläche zappeln sehen, was nach einem ziemlich großen Fisch aussah. War aber ein kurzes Vergnügen, er konnte sich wohl loszappeln. (Nicht ordentlich angeschlagen, sagt mein Sportfischerinstinkt)

Wenn die Handtücher unter Deck so hängen, macht das Segeln gerade richtig Spaß.

Später frischte es dann merklich auf, was uns aber nur recht war. Unter Alien-Genua und Großsegel erreichten wir erstmals Geschwindigkeiten von über 7 Knoten.  Langsam begann ich, ernsthaft Gefallen an der Segelei zu finden. Nur unter Deck bei stärkerer Krängung fand ich es immer noch etwas unheimlich. Aber wer will auch unter Deck sitzen, wenn es doch an Deck so viel zu sehen gibt: Wasser zum Beispiel...und ein paar Wellen...manchmal einen Küstenstreifen, meist mit Windrädern...und Wasser...und da vor uns ein paar dunkle Regenwolken...

Dieser dunkle Wolkenstreifen sah zunächst wirklich sehr harmlos aus. Klar, da würde es wohl regnen. Aber ob wir da überhaupt reingeraten würden oder ob es sich schon verziehen würde, bis wir da wären, war zunächst gar nicht abzusehen. Außerdem hatten wir ja alle Ölzeug oder Thermo-Klamotten an und waren vor ein bisschen Wasser von oben jetzt auch nicht übermäßig bange.

Bei näherer Betrachtung wurde der Wolkenstreifen aber immer dunkler und höher. Und als Marco dann plötzlich den ersten Blitz sichtete, konnten wir nicht mehr abstreiten, dass wir da wohl das vor uns hatten, was gemeinhin als Gewitterfront bezeichnet wird. Der Abstand zwischen Blitz und Donner betrug immerhin noch ca. 1 Minute, das Gewitter war also noch ca. 20 km entfernt. Es lag aber genau voraus in unserer geplanten Fahrtrichtung.

Noch sind wir im Sonnenschein.

Da wir auf eine nähere Begegnung mit den Mächten der Natur alle nicht so furchtbar scharf waren, berechnete Volker uns einen Kurs zum nächstgelegenen Hafen Juelsminde und wir drehten dorthin ab. Es wurde immer noch ein Wettlauf gegen das herannahende Gewitter, vorsichtshalber hatten wir schon mal unser Funkgerät abgeschaltet. Ziemlich bald kamen wir dann aber nahe genug an Land und erhöhte Gebäude, um zumindest nicht mehr das höchste Blitzeinschlagsziel in mehreren Kilometern Umkreis zu sein.

Der größte Teil des Gewitters zog aber an Juelsminde vorbei und wir blieben mehr oder weniger davon verschont. Da wir diesmal wieder recht früh im Hafen gelandet waren, blieb uns Zeit genug für einen ausgiebigen Landgang und Frischfischeinkauf (das mit dem selber Angeln war ja mal wieder erfolglos geblieben).

Die größte Sensation im Hafen Juelsminde war für Volker und die anderen Spielkinder unter uns der kleine Hydraulikbagger auf dem Kinderspielplatz. Für 10 dänische Kronen konnte man da zwei Minuten Spaß in der Sandkiste haben.