Münster - Heiligenhafen - Spodsbjerg

6 Uhr morgens ist definitiv vor dem Aufstehen. Trotzdem hatte ich es irgendwie geschafft, rechtzeitig aus dem Bett zu kommen und meine Sachen zusammen zu rödeln, bevor Ekkehard mich abholen kam. Ekkehard kannte ich vorher nur aus einem kurzen Telefonat. Peer, einem weiteren Crewmitglied, war ich noch gar nicht begegnet. Wir sammelten dann noch Christian ein und auf ging es nach Heiligenhafen. Dort gelang es uns dann trotz falscher Handynummer, in dem doch recht weitläufigen Yachthafen den Rest unserer Crew und natürlich unser Boot zu finden.

Die „Arnd“ ist fast 20 Jahre alt, etwas über 12 m lang und hat halt alles das, was ein Segelschiff wohl so braucht. Auffälligstes Merkmal war unsere Genua (für Nichtsegler: das ist das große Focksegel). Die war nämlich nicht weiß, wie man das von Segeln sonst so kennt, sondern hübsch bunt orange/blau mit einem grünen einäugigen Pixar-Alien darauf. Ich fand es prima, Volker, unser Skipper, war weniger begeistert. Auf jeden Fall war es aber, wie wir im Laufe des Törns noch herausfinden durften, ein prima Segel.

Ist es nicht wunderschön? Unser Focksegel

 

Die Crew bestand insgesamt aus sieben Leuten, wobei ich das einzige Weibchen an Bord war, was mir bald den Spitznamen „Püppi“ einbrachte. Außerdem waren dabei:
- Volker, unser Skipper, großer Segelfreund, der schon die vorangegangene Woche mit der Arnd unterwegs gewesen war,
- Ekkehard, Volkers Vater,
- Peer, mit 20 Jahren der jüngste an Bord, mit 2,04 m aber auch der längste, liebevoll „der Kleine“ genannt
- Christian, der bisher, wie ich auch, noch nie gesegelt war
- Andre, eifriger Hobbyfotographierer, verantwortlich für die meisten Bilder in diesem Reisebericht
- Marco, von Beruf Polizeibeamter, deshalb auch liebevoll „Sheriff“ oder „Drogenfahnder“ genannt

Die Crew der Arnd: Ekkehard, Jutta, Andre, Christian, Peer, Marco, Volker

 

Da die Arnd in der Vorwoche Probleme mit dem Anlasser hatte, verzögerte sich unsere Abfahrt etwas, weil noch ein Service-Techniker an Bord war. Aber am frühen Nachmittag konnten wir dann unsere Klamotten an Bord verstauen und loslegen.

Auf Ziel oder Richtung hatten wir uns bis dahin noch gar nicht festgelegt, wir starteten erst mal Richtung Norden, auf Langeland zu, was uns eigentlich alle weiteren Möglichkeiten offen ließ.

Da ich ja bisher überhaupt noch nie gesegelt war, versuchte ich erst einmal, mir einzuprägen, wozu eigentlich die ganzen Leinen da waren, die da so kreuz und quer über das Deck verliefen, aber es hat schon ein paar Tage gebraucht, bis ich sicher sagen konnte, an welcher Leine man jetzt ziehen muss um diesen oder jenen Effekt zu erzielen. Außerdem habe ich dann noch schnell ein paar Knoten geübt.

Das Wetter war dankenswerterweise ziemlich freundlich. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich Wind und vor allen Dingen Wellen für den ersten Tag durchaus als ausreichend empfunden habe, und bei aller Freude am Neuen ganz froh war, als wir in Spodsbjerg vor Anker gingen. Schaukelt ja doch ganz schön, so eine Segelyacht.

Wetter wird ja überhaupt beim Segeln plötzlich ein ganz wichtiges Thema. Wir bekamen als Service unseres Vercharterers zweimal am Tag eine SMS mit Wettervorhersage aufs Handy. Außerdem lauschten wir immer mal wieder dem Seefunk-Wetterbericht von Delta Papa 07. Dieser wird mit monoton norddeutscher Stimme sehr langsam vorgelesen. Ist sinnvoll, so kann man mitschreiben. Allerdings kann der Sprecher offensichtlich auch nicht schneller oder bewegter sprechen, zumindest klingen die nach dem Wetterbericht gelegentlich vorgelesenen Werbebotschaften mindestens ebenso eintönig.

Allerdings zeichnete sich die Wettervorhersage meist dadurch aus, dass sie nicht zutraf. Schließlich war April.

Gerade noch rechtzeitig fiel unserem Skipper ein, die dänische Gastflagge zu setzen und Christian bekam die ehrenvolle Aufgabe, diese zu verknoten und zu hissen, was ihm nach einigen Schwierigkeiten auch gelang.

An den Hafen in Spodsbjerg kann ich mich kaum erinnern. Irgendwie war der arm an Highlights. Der Code für die Toiletten und Duschen ist 1815, falls das jemandem was nutzt :-) (ist immer blöd, wenn man mit Druck auf der Blase in den Hafen einläuft und dann feststellt, dass alle sanitären Anlagen gesichert sind wie Fort Knox und der Hafenmeister grade Pause hat).